Ein Lichtschalter funktioniert zuverlässig, kostet wenig und benötigt keine Gebäudeautomation. Warum also sollte ein Unternehmen Geld dafür ausgeben, Licht, Heizung, Kühlung, Beschattung, Zutritt oder andere Funktionen zu automatisieren?
Weil es im Gewerbe meistens nicht um den Lichtschalter geht.
Interessant wird Gebäudeautomation dort, wo jeden Tag dieselben Abläufe stattfinden. Wo Mitarbeiter Tätigkeiten übernehmen, die ein Gebäude selbst erledigen könnte. Wo Räume beheizt, gekühlt oder beleuchtet werden, obwohl sie niemand nutzt. Oder wo fünf technische Systeme unabhängig voneinander arbeiten, obwohl sie eigentlich dieselben Informationen benötigen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht „Was kann man mit Loxone automatisieren?“. Technisch lautet die Antwort darauf: sehr viel. Die wirtschaftlich wesentlich interessantere Frage lautet: „Was davon lohnt sich für meinen Betrieb?“. Genau darum geht es in diesem Artikel.
Eine einfache Regel: Je öfter sich ein Vorgang wiederholt, desto interessanter wird seine Automatisierung
Stellen wir uns eine kleine Gewerbeimmobilie vor. Morgens wird aufgesperrt, Beleuchtung eingeschaltet, Beschattung angepasst, Heizung oder Kühlung läuft auf Komfortbetrieb. Am Abend passiert das Ganze in umgekehrter Reihenfolge.
Das klingt zunächst nach wenigen Minuten Arbeit. Aber aus fünf Minuten werden bei 250 Arbeitstagen mehr als 20 Stunden pro Jahr – und das ist nur ein einziger Ablauf. Bei Hotels, Sportstätten, Gastronomie, größeren Büros oder Produktionsgebäuden entstehen schnell Dutzende solcher wiederkehrenden Tätigkeiten.
Gebäudeautomation ist deshalb besonders dort interessant, wo wiederkehrende Entscheidungen nach klaren Regeln getroffen werden können: Wenn A passiert, soll B geschehen. Wenn niemand anwesend ist, soll die Beleuchtung nicht unnötig laufen. Wenn ein Raum nicht gebucht ist, muss er nicht dauerhaft auf Komforttemperatur gehalten werden. Wenn die Sonne einen Raum stark erwärmt, kann die Beschattung reagieren, bevor die Klimaanlage zusätzliche Energie benötigt. Wenn ein Kunde einen Sportplatz gebucht hat, benötigt er für genau diesen Zeitraum Zutritt.
Genau solche Zusammenhänge sind die eigentliche Stärke einer Gebäudeautomation.
1. Gebäudeautomation lohnt sich, wenn Mitarbeiter Dinge tun, die das Gebäude selbst erledigen könnte
Arbeitszeit ist teuer. Trotzdem werden in vielen Gewerbeobjekten täglich Tätigkeiten manuell erledigt, die vollständig vorhersehbar sind: Jemand sperrt auf, kontrolliert die Beleuchtung, verändert die Temperatur, vergibt einen Zutritt, überprüft am Abend, ob noch etwas eingeschaltet ist, reagiert auf einen technischen Alarm.
Keine dieser Tätigkeiten ist für sich genommen dramatisch. Ihre Summe ist es. Nehmen wir nur zehn Minuten manuellen Aufwand pro Arbeitstag: Bei 250 Betriebstagen sind das rund 42 Stunden pro Jahr. Bei 30 Minuten täglich sind es 125 Stunden. Und bei einer Stunde sind es 250 Arbeitsstunden pro Jahr.
Automation muss deshalb nicht immer spektakulär sein. Eine Funktion, die jeden Tag nur wenige Minuten spart, kann über die Lebensdauer eines Gebäudes wirtschaftlich interessanter sein als eine technisch beeindruckende Funktion, die zweimal im Jahr verwendet wird.
2. Ein leerer Raum braucht keinen vollen Komfort
Eine der einfachsten Möglichkeiten, Energie zu verschwenden, besteht darin, Gebäude so zu betreiben, als wären alle Räume ständig besetzt. Das sind sie selten: Besprechungsräume stehen leer, Hotelzimmer sind nicht belegt, Büros werden nur zu bestimmten Zeiten genutzt, Sportbereiche sind nur während gebuchter Zeiten in Betrieb. Trotzdem laufen Beleuchtung, Heizung, Kühlung oder Lüftung häufig nach fixen Zeitplänen. Ein Zeitplan weiß allerdings nicht, ob jemand tatsächlich da ist. Eine Gebäudeautomation kann mehr Informationen berücksichtigen, zum Beispiel:
- Anwesenheit
- Raumtemperatur
- Außentemperatur
- Uhrzeit
- Buchungen
- Fensterzustand
- Sonnenstand
- Betriebsmodus
Dadurch kann ein Raum abhängig von seiner tatsächlichen Nutzung betrieben werden. Das bedeutet nicht, dass die Heizung erst eingeschaltet wird, wenn jemand friert – gute Automation arbeitet vorausschauend. Das Ziel ist, den gewünschten Komfort bereitzustellen, wenn er benötigt wird, und unnötigen Energieverbrauch zu reduzieren, wenn er nicht benötigt wird.
3. Heizung, Kühlung und Beschattung sollten keine drei getrennten Entscheidungen treffen
Stellen wir uns einen Büroraum an einem sonnigen Sommertag vor. Die Sonne scheint durch die Glasfläche, der Raum erwärmt sich, die Klimaanlage erkennt die steigende Temperatur und beginnt zu kühlen. Gleichzeitig bleibt die Beschattung oben.
Technisch funktionieren beide Systeme genau so, wie sie sollen. Das Gebäude als Ganzes verhält sich trotzdem nicht besonders intelligent. Eine integrierte Automation kann Sonnenstand, Raumtemperatur, Beschattung und Kühlung gemeinsam betrachten. Dadurch kann die Beschattung bereits einen Teil der Wärmeeinstrahlung reduzieren, bevor zusätzliche Kühlleistung benötigt wird. Dasselbe Prinzip gilt im Winter in die andere Richtung – dann kann Sonneneinstrahlung durchaus erwünscht sein.
Entscheidend ist deshalb nicht, ob ein Gebäude eine automatische Beschattung und eine automatische Klimaanlage besitzt. Entscheidend ist, ob beide voneinander wissen.
4. Zutritt ist besonders interessant, wenn Berechtigungen häufig wechseln
Ein klassischer Schlüssel ist ein erstaunlich gutes Zutrittssystem: günstig, ohne Strom, seit Jahrhunderten bewährt. Problematisch wird er erst, wenn sich Anforderungen verändern.
Ein Mitarbeiter scheidet aus. Ein Schlüssel geht verloren. Reinigungspersonal benötigt nur zu bestimmten Zeiten Zugang. Ein externer Techniker soll heute in einen Technikraum dürfen, morgen aber nicht mehr. Oder Kunden sollen ein Gebäude nutzen können, obwohl kein Mitarbeiter vor Ort ist.
Dann wird aus dem einfachen Schlüssel ein organisatorisches Problem. Bei einer digitalen Zutrittslösung können Berechtigungen abhängig von Person, Bereich und Zeit vergeben werden. Noch interessanter wird es, wenn Zutritt mit anderen Prozessen verbunden wird.
5. Bei einer Sportstätte kann eine einzige Buchung mehrere Prozesse auslösen
Ein gutes Beispiel dafür kennen wir aus unserer eigenen Praxis. Bei einer von ELKON Automation umgesetzten Sportstätte wurden unter anderem Buchung, Zutritt, Beleuchtung, Audio und weitere Gebäudefunktionen miteinander verbunden.
Warum ist das interessant? Weil bereits eine Information vorhanden ist, die für mehrere Systeme relevant ist: die Buchung. Sie sagt uns, dass ein bestimmter Bereich zu einem bestimmten Zeitpunkt genutzt werden soll. Daraus können weitere Abläufe entstehen: Der Kunde benötigt Zutritt, der gebuchte Bereich muss zur Nutzung bereit sein, Beleuchtung wird benötigt, nach Ende der Nutzung können bestimmte Funktionen wieder zurückgesetzt werden.
Statt mehrere Systeme unabhängig voneinander zu bedienen, entsteht ein zusammenhängender Prozess. Das ist für uns ein gutes Beispiel dafür, wann Gebäudeautomation im Gewerbe wirklich interessant wird: nicht wenn ein Lichtschalter digital wird, sondern wenn Technik einen Teil des Geschäftsprozesses übernimmt.
6. Energie wird besonders interessant, wenn sie selbst erzeugt wird
Eine PV-Anlage produziert Strom nicht unbedingt dann, wenn ein Unternehmen ihn am dringendsten benötigt. Ein Stromspeicher kann dieses Problem teilweise ausgleichen. Aber auch hier stellt sich eine Frage: Was passiert mit überschüssiger Energie, wenn der Speicher bereits geladen ist?
In einem intelligent gesteuerten Gebäude können Verbraucher priorisiert werden. Je nach Objekt können beispielsweise folgende Systeme berücksichtigt werden:
- Warmwasserbereitung
- Heizung
- Kühlung
- Wallboxen
- Stromspeicher
- weitere steuerbare Verbraucher
Das Gebäude erhält damit nicht einfach nur Informationen darüber, wie viel Energie gerade produziert wird – es kann auf diese Information reagieren. Gerade bei Unternehmen mit PV-Anlagen, Speichern, Ladeinfrastruktur oder größeren elektrischen Verbrauchern kann Energiemanagement deshalb zu einem wichtigen Teil der Gebäudeautomation werden.
7. Eine Warnmeldung ist wertvoller, bevor ein kleiner Fehler zu einem großen Schaden wird
Gebäude verursachen nicht nur laufende Kosten, sie können auch Schäden verursachen: ein Wasseraustritt am Wochenende, eine technische Anlage mit einer Störung, eine ungewöhnliche Temperatur, ein offenes Fenster, eine Tür, die außerhalb der Betriebszeiten geöffnet wird.
Nicht jeder dieser Fälle erfordert eine komplexe Automation. Aber eine zentrale Steuerung kann Informationen verschiedener Sensoren zusammenführen und definierte Reaktionen auslösen. Ein Wassermelder ist dafür ein gutes Beispiel: Sein Wert besteht nicht darin, dass er Wasser erkennt, sondern darin, was nach der Erkennung passiert. Wird jemand informiert? Kann eine Reaktion automatisch erfolgen? Wie schnell erfährt der Verantwortliche davon? Bei einem möglichen Wasserschaden können wenige Minuten wesentlich wertvoller sein als die Kosten des Sensors.
8. Nicht jede Automation spart Geld – und das ist in Ordnung
Gebäudeautomation wird häufig ausschließlich über Energieeinsparung verkauft. Das greift zu kurz. Eine automatisierte Beschattung kann Energie sparen, eine intelligente Raumregelung ebenfalls. Andere Funktionen sparen vielleicht hauptsächlich Arbeitszeit. Und manche sparen überhaupt nichts: Ein automatisiertes Audiosystem bietet schlicht mehr Komfort, eine zentrale Visualisierung vereinfacht die Bedienung, eine Lichtszene in einem Restaurant schafft Atmosphäre.
Das ist nicht automatisch unwirtschaftlich. Unternehmen investieren ständig in Dinge, die nicht unmittelbar Energie oder Personal einsparen. Entscheidend ist nur, dass man vorher weiß, warum eine Funktion umgesetzt wird.
Wir betrachten bei einer Automation deshalb grundsätzlich vier mögliche Nutzen: Zeit sparen, Energie sparen, Sicherheit erhöhen, Komfort verbessern. Eine gute Funktion erfüllt mindestens einen dieser Punkte. Sehr gute Funktionen erfüllen mehrere gleichzeitig.
9. Der größte Vorteil entsteht oft nicht innerhalb eines Systems, sondern zwischen zwei Systemen
Eine automatische Heizung ist gut. Eine automatische Beschattung ebenfalls. Eine Zutrittskontrolle kann sinnvoll sein. Eine PV-Anlage ohnehin. Das größte Potenzial entsteht aber häufig erst dann, wenn diese Systeme Informationen austauschen.
Ein Präsenzmelder weiß, dass niemand mehr im Raum ist – diese Information kann für Licht, Raumklima und Sicherheit relevant sein. Eine Buchung kennt den Nutzungszeitraum – das kann Zutritt, Beleuchtung und weitere Funktionen beeinflussen. Die PV-Anlage kennt die aktuelle Stromproduktion – das kann für Speicher, Wallbox und steuerbare Verbraucher relevant sein.
Eine Information wird damit nicht nur einmal verwendet. Genau deshalb versuchen wir bei ELKON Automation, Gebäude nicht als Ansammlung einzelner technischer Gewerke zu betrachten, sondern als Gesamtsystem.
Wann lohnt sich Loxone wahrscheinlich nicht?
Auch diese Frage sollte ein seriöser Anbieter beantworten. Nicht jedes Gebäude braucht eine umfangreiche Gebäudeautomation. Wenn ein kleines Büro aus zwei Räumen besteht, jeden Tag von denselben Personen zur selben Zeit genutzt wird und kaum technische Anlagen besitzt, kann eine klassische Elektroinstallation völlig ausreichend sein.
Ebenso wenig ist es sinnvoll, einen Prozess aufwendig zu automatisieren, der einmal im Jahr vorkommt und manuell in zwei Minuten erledigt ist. Automation um der Automation willen ist selten eine gute Investition. Auch eine technisch mögliche Integration muss nicht automatisch sinnvoll sein.
Die entscheidende Frage bleibt: Welches konkrete Problem lösen wir damit? Wenn darauf keine gute Antwort existiert, sollte man die Funktion hinterfragen.
Eine einfache Rechnung zeigt, ob sich ein automatisierter Ablauf lohnt
Nehmen wir einen Prozess, der einen Mitarbeiter jeden Tag 15 Minuten kostet. Bei 250 Arbeitstagen sind das 62,5 Stunden pro Jahr. Bei angenommenen internen Personalkosten von 40 Euro pro Stunde entspricht das 2.500 Euro pro Jahr – über zehn Jahre 25.000 Euro, noch ohne Lohnsteigerungen.
Natürlich bedeutet das nicht, dass eine Automation 25.000 Euro kosten darf. Aber plötzlich lässt sich eine Investition wirtschaftlich bewerten. Dasselbe Prinzip kann auf Energieverbrauch, Serviceeinsätze oder andere wiederkehrende Kosten angewendet werden.
Damit wird aus „Wäre es cool, wenn das automatisch funktioniert?“ eine wesentlich bessere Frage: „Was kostet uns dieser manuelle Prozess über die nächsten zehn Jahre?“.
Die Amortisation ist nicht immer die wichtigste Zahl
Bei einer Produktionsmaschine ist eine klassische Amortisationsrechnung oft relativ einfach. Bei einem Gebäude ist das schwieriger.
Wie viel ist es wert, wenn ein Mitarbeiter nicht mehr jeden Abend einen Kontrollgang machen muss? Was kostet ein verlorener Schlüssel? Was kostet eine Stunde unnötige Kühlung jeden Tag? Was kostet ein Wasserschaden, der erst am Montagmorgen entdeckt wird? Wie viel ist es wert, wenn eine Sportstätte zusätzliche Zeiten ohne Personal vor Ort anbieten kann?
Manche dieser Werte lassen sich exakt berechnen, andere nur abschätzen. Deshalb sollte eine Gebäudeautomation nicht ausschließlich anhand einer einzigen Amortisationszahl beurteilt werden. Entscheidend sind die Kosten und der Nutzen über die gesamte Nutzungsdauer.
Fünf Fragen, die Sie sich vor einer Investition stellen sollten
Bevor wir über Miniserver, Sensoren oder Schnittstellen sprechen, interessieren uns bei einem Gewerbeobjekt andere Dinge:
- Welche Tätigkeiten wiederholen sich jeden Tag?
- Wo wird Energie verbraucht, obwohl sie gerade nicht benötigt wird?
- Welche technischen Systeme arbeiten heute unabhängig voneinander?
- Welche Fehler oder Ereignisse verursachen besonders hohe Kosten?
- Welche Abläufe verhindern heute einen einfacheren oder flexibleren Betrieb?
Die Antworten darauf sind meistens wertvoller als eine Liste gewünschter Smart-Building-Funktionen. Denn daraus lässt sich ableiten, wo Automation tatsächlich einen wirtschaftlichen oder betrieblichen Nutzen erzeugen kann.
Also: Wann lohnt sich Loxone im Gewerbe wirklich?
Nicht dann, wenn möglichst viele Taster durch eine App ersetzt werden. Und auch nicht automatisch dann, wenn ein Gebäude besonders groß ist.
Loxone wird im Gewerbe besonders interessant, wenn wiederkehrende Abläufe, Energieverbrauch, Zutritt, Sicherheit oder verschiedene technische Systeme sinnvoll miteinander verbunden werden können. Je häufiger ein Vorgang stattfindet, desto größer ist meist das Automatisierungspotenzial. Je mehr Systeme dieselben Informationen benötigen, desto interessanter wird ihre Integration. Und je länger ein Gebäude genutzt wird, desto wichtiger werden die laufenden Kosten gegenüber dem einmaligen Anschaffungspreis.
Deshalb beginnen wir bei ELKON Automation bei Gewerbeprojekten nicht mit der Frage „Was können wir alles automatisieren?“, sondern mit einer anderen: „Welche Aufgaben sollte dieses Gebäude in Zukunft nicht mehr seinen Mitarbeitern überlassen?“. Die Antwort darauf ist meistens der beste Ausgangspunkt für sinnvolle Gebäudeautomation.
Lohnt sich Loxone für Ihren Betrieb?
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